Wenn der Mensch die Hebekräfte einer Ameise hätte, könnte er Gewichte von mehreren Tonnen heben – bis zum Vierzigfachen seines Körpergewichtes. Stattdessen aber reicht es nicht einmal bis zum einfachen Eigengewicht. Schon 25 bis 40 kg (bei Männern; bei Frauen sind es weniger) gelten laut einschlägiger Bestimmungen (ISO 11228-1, Lastenhandhabungsverordnung der BAUA) als Risiko. Und das mit Recht. Wenn ein Mitarbeiter in der Kommissionierung, im Wareneingang oder in der Montage nur zehnmal pro Stunde 20 kg hebt, kommt er am Ende seines Arbeitstages auf ein „Lastkollektiv“ von 1,6 Tonnen und in einer Arbeitswoche auf acht Tonnen.
Das kann nicht gesund sein für den Rücken. Fairerweise muss man sagen: Dauerhaft sitzen ist auch nicht gesund. Aber das ist für das Personal in der Intralogistik eh keine Option.
Gut, dass es Erleichterungen gibt für diese Tätigkeit – und dass viele Arbeitgeber, die auf die dauerhafte Gesundheit und Arbeitsfähigkeit ihrer Mitarbeiter achten, diese Erleichterungen auch nutzen. Auf der EMPACK und LOGISTICS & AUTOMATION in Hamburg werden die Besucher unterschiedliche und auch sehr innovative Lösungen kennenlernen, die das Heben erleichtern.
Bewährt und erprobt sind Hebehilfen, die mehrere Aussteller zeigen. Einige Beispiele: Expresso wird Hebehilfen und Balancer präsentieren, mit denen Lasten sich einfach nur führen statt heben lassen. Pronomic stellt Hebegeräte und Lifte vor. Timmer hat u.a. pneumatisch angetriebene Hebehilfen und auch komplette Kransysteme für den Arbeitsplatz im Programm. Treston bringt höhenverstellbare Packtische für den Warenausgang mit auf die Messe nach Hamburg. Alle vier Unternehmen zeigen somit Lösungen, die das Heben erleichtern oder gänzlich überflüssig machen.
Bei drei weiteren Ausstellern – Auxivo, ExoIQ, hTrius und HUNIC – können sich die Messebesucher mit einer neuen Art von Hebehilfen vertraut machen: Exoskelette erkennen die (Hebe-)Bewegung, die der Bediener macht, und unterstützen ihn dabei. Dieses Konzept funktioniert in der Praxis ganz hervorragend und wird deshalb immer häufiger genutzt. Die nötige unterstützende Kraft wird elektromotorisch aufgebracht. Zugleich verbessert die Stützstruktur die Haltung des Bedieners beim Heben: Auch das beugt Rückenschmerzen vor.
Übrigens stammt der Begriff „Exoskelett“ weder aus der Intralogistik noch aus der Zukunftswerkstatt eines Startups, das einen schicken Namen für seine innovative Hebehilfe suchte. Der Name ist alt, stammt aus der Biologie und bezeichnet zum Beispiel bei Insekten ein hartes, wasserdichtes Außenskelett aus Chitin und Proteinen, das sich außerhalb des Körpers befindet. Die Ameise – und damit schließt sich Kreis zum Ausgangsgedanken dieses Blogtextes – hat ein solches Skelett. Deshalb verfügt sie, wie viele andere Insektenarten, im Verhältnis zu ihrem Eigengewicht über außerordentliche Hebefähigkeiten.